Leben & Werk

Am 3. November 1937 wird Friedrich Karl Waechter in Danzig geboren.

Der Vater fällt 1941; Flucht über die Ostsee mit der Mutter und zwei Geschwistern nach Schleswig-Holstein. Ab 1949 besucht Waechter die Lauenburgische Gelehrtenschule in Ratzeburg. 1957 bis 1960: Ausbildung zum Grafiker an der Kunstschule Alsterdamm in Hamburg. Ab 1960 entwirft er bei Obanex in Freiburg Etiketten für Friseurartikel, Anzeigen für Sonderangebote etc.; gleichzeitig entstehen erste freie Arbeiten für die Zeitschrift twen.

1962 zieht Waechter nach Frankfurt am Main und wird Chefgrafiker der satirischen Zeitschrift Pardon, für die er das Signet entwickelt: einen kleinen Teufel mit Bowler. Zusammen mit Robert Gernhardt und Fritz Weigle (= F.W. Bernstein) entsteht ab September 1964 monatlich die ständige Rubrik »Welt im Spiegel«, die schnell Kultstatus erlangt. 1966 erscheint Die Wahrheit über Arnold Hau in Kooperation mit Gernhardt und Bernstein. Waechter wendet sich zunehmend neuen Aufgaben zu; 1970 erscheint sein erstes Kinderbuch, Der Anti-Struwwelpeter. Der Film Hier ist ein Mensch der »Arnold-Hau-Coop« (Wächter, Gernhardt, Arend Agthe, Bernd Eilert) kommt 1972 bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen in die deutsche Auswahl. 1974 werden vom ZDF verschiedene Kurzfilme der Hau-Coop ausgestrahlt und rufen wütende Proteste hervor.

Waechters Kinderbuch Wir können noch viel zusammen machen (angeregt durch seine drei Söhne) wird 1975 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Im Auftrag der Städtischen Bühnen Frankfurt entsteht das Theaterstück Schule mit Clowns. Waechter zeichnet regelmäßig für das Magazin der Zeit. 1978 erscheint der erste große Cartoon-Band Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein und wird, wie die gleichnamige Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum Hannover, ein grandioser Erfolg. Kiebich und Dutz wird 1979 in Frankfurt unter der Regie von Waechter uraufgeführt. Im gleichen Jahr erscheint die erste Nummer des Satiremagazins Titanic, das Waechter mitbegründet.

Der abendfüllende Spielfilm Das Casanova-Projekt der Hau-Coop, mit Alfred Edel in der Hauptrolle, entsteht 1981. 1983/84 werden eine neue Fassung von Kiebich und Dutz sowie Nach Aschenfeld im Residenztheater in München aufgeführt und von dort u. a. nach Athen weitergegeben. Waechter erhält 1986 und 1987 Lehraufträge in Salzburg und Hamburg. Kiebich und Dutz wird verfilmt. In dieser Zeit entstehen weitere Cartoonbände (Glückliche Stunde, Der Traum der Bergfrösche, Mich wundert, dass ich fröhlich bin, Männer auf verorenem Posten) und ab Ende der 80er Jahre auch satirische Kunstobjekte.

1992 zieht Waechter sich aus der Mitarbeit an der Titanic zurück; bis 2003 erscheinen dort keine Zeichnungen, dafür läuft die Ausstellung »Retrospektive« mit großem Erfolg in vielen deutschen Städten. 1993 inszeniert er die Eisprinzessin am Staatstheater Hannover, wo das Stück bis 2009 rund 250 Mal aufgeführt wird (1998 folgt eine Fassung als Oper am Landestheater in Linz). In diesen Jahren entsteht ein breites Theaterwerk, das im Verlag der Autoren erscheint und bei dessen Umsetzung Waechter nicht nur als Regisseur, sondern teilweise auch als Bühnen- und Kostümbildner fungiert; er gilt als meistgespielter deutschsprachiger Autor mit Inszenierungen auf allen fünf Kontinenten.

Zudem zeichnet er ab 1997 wieder intensiv, so die Bücher Da bin ich und Der rote Wolf, und schafft neue Versionen älterer Werke, die in dem Großband Waechter gesammelt werden, der 2002 zu einer ersten, großen Ausstellung in seiner Heimatstadt Frankfurt (Historisches Museum) und zu einer Wanderschaft dieser Schau führt.

Waechter kreiert 1999 mit dem Singenden Knochen eine neue Form des Objekttheaters, das er gerne selber aufführt; ungewohnte Darstellungstechniken wie Linolschnitt und Collage kennzeichnen die literarisch-poetischen Bilderbücher des unkomischen Spätwerks wie Steinhauers Fuß, Die Schöpfung und Prinz Hamlet.

Das Erscheinen von Vollmond erlebt Waechter nicht mehr. Friedrich Karl Waechter stirbt am 16. September 2005 in Frankfurt am Main.

Der Künstler hatte verfügt, dass sein Werk nach seinem Tode zusammengehalten werden solle; Cornelia Volhard-Waechter und die Erbengemeinschaft geben den zeichnerischen Nachlass an das »Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst – Wilhelm Busch« in Hannover. 2009 erscheint der Band Zeichenkunst; eine neue Ausstellung ist, ausgehend von Hannover, in vielen deutschen Städten zu sehen.